Ausgabe 27/2019 – Ist das vielleicht der Anfang vom Ende des Euros?

Goldherz Report Ausgabe 27/2019 – Donnerstag, 1. August 2019

G.Goldherz

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute wünsche ich allen Schweizerinnen und Schweizern einen ganz besonders erholsamen und bedächtigen Nationalfeiertag.

Der Mehrheit meiner Leser aus Deutschland will ich kurz erklären, was die Schweizer denn am 1. August feiern, denn ich glaube dieses ist auch für die heutige Zeit eine wichtige Lehre der Geschichte.

Bevor ich nun zu meinem Lieblingsthema, Gold & Silber komme, möchte ich Ihnen kurz aus dem Bundesbrief der Eidgenossen zitieren.

Die Eidgenossen haben sich im Jahre 1291 zusammengeschlossen, um ihre „Täler“ vor Feinden zu schützen. Obgleich ich leider auch erwähnen muss, dass die heutige Schweizer Politik auf der Bundespolitikebene auch nicht mehr viel mit der damaligen ehrwürdigen Grundsätzen gemein haben, selbst wenn das Fundament noch stabiler ausschaut, als das morsche, verfaulte Konstrukt, das sich unterhalb des deutschen Werkes befindet, auf dem dann auch die Europäische Union aufgesetzt wurde.

Der Schweiz zugrunde liegt der „Bundesbrief“ von Anfang August 1291:

In Gottes Namen Amen. Das öffentliche Ansehen und Wohl erfordert, dass Friedensordnungen dauernde Geltung gegeben werde. Darum haben alle Leute der Talschaft Uri, die Gesamtheit des Tales Schwyz und die Gemeinde der Leute der unteren Talschaft von Unterwalden im Hinblick auf die Arglist der Zeit zu ihrem besseren Schutz und zu ihrer Erhaltung einander Beistand, Rat und Förderung mit Leib und Gut innerhalb ihrer Täler und ausserhalb nach ihrem ganzen Vermögen zugesagt gegen alle und jeden, die ihnen oder jemand aus ihnen Gewalt oder Unrecht an Leib oder Gut antun.“ Hier nachzulesen als PDF im Bundesarchiv.

Wie damals vor 728 Jahren bei den Eidgenossen, wird uns heute angesichts der „Arglist der Zeit“ tagtäglich Unrecht an Leib und Gut“ angetan.

Denn was sonst ist die anhaltende Vergewaltigung aller rechtsstaatlichen Prinzipien und die völlige Ignoranz der EU-Organe vor nationalen gesetzlichen Bestimmungen bitte sonst?

Es geht mir natürlich aktuell um die seit dieser Woche heftig diskutierte Klageschrift bezüglich der Anleihenkäufe der EZB, mit der sich das Verfassungsgericht in Karlsruhe diese Woche beschäftigte.

Ja, es geht um nicht viel, mag der eine oder andere glauben.

Es geht schließlich „nur ums Geld“.

Um den alten Hilmar Kopper zusammenhangslos, aber immer wieder amüsant, zu zitieren:

Wir reden hier eigentlich von Peanuts

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass diese zeitlich weit auseinander liegenden Zitate doch ein bisschen was miteinander zu tun haben… Quelle: Boerse.de

Es geht bei den EZB-Anleihenkäufen um ein „kleines Programm“, das bisher klitzekleine 2,6 Billionen Euro umfasste.

Da die Mehrheit der Bundesbürger ohnehin kein Geld hat, ist das Thema auch in der Regel schnell abgehakt.

Geld ist schließlich etwas „Abstraktes“, das sich nur wenige vorstellen können und die Politiker – die meist genug von dem Zaster auf ihren Konten haben – lassen es gerne so aussehen, dass der „gemeine Bürger“ ohnehin kein Mitspracherecht bei solchen „Erwachsenenthemen“ hat und „zu viel Geld“ ist ohnehin etwas „Sündhaftes“ und verdirbt nur den Charakter, außer den eigenen natürlich…

Sich gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aufzulehnen, ist schon fast ein Sakrileg.

Wer maßt sich an, diese heilige Instanz zu kritisieren, die doch nur das Wohl der Menschheit im Sinn hat?

Peter Gauweiler, der diese Klage durchzieht bis zum Europäischen Gerichtshof, sagt es ungeschmeidiger:

In einem Europa ohne Regeln will ich nicht leben“, wurde er im Focus zitiert und erntet dafür, auch bei mir, viel Sympathie.

Ehrlich gesagt, vermutlich wären nicht alle Instanzen damals kategorisch gegen partielle Anleihenkäufe durch die Notenbanken gewesen.

Aber es war, in den Augen vieler und meiner ein Rechtsbruch erster Güte, dass die EZB höchstpersönlich das Zepter übernahm, so sie doch eigentlich ursprünglich nur wenig mehr als eine reine „Verwaltungsinstanz“ war, die die Bilanzen der unangetastet fortbestehenden Notenbanken zusammenführen sollte.

Doch die Finanzkrise 2008 und die folgende Eurokrise 2012 entstanden, weil eben die Länder der EU-Peripherie ohne Hilfe der besser finanzierten Staaten, vornehmlich Deutschlands, nicht mehr weiter Schulden aufbuchen konnten, wie sie wollten. Das führte dazu, dass die EZB plötzlich die zweitmächtigste „Zentralbank“ der Welt wurde, ohne entsprechende Befugnisse.

Sogar der Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle, der als letzte Instanz den Strohhalm der nationalen Gerichtsbarkeit vertritt, sagte bereits vor zwei Jahren:

«Gewichtige Gründe sprächen dafür, dass die Beschlüsse gegen
das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstoßen sowie über das
Mandat der Europäischen Zentralbank für die Währungspolitik
hinausgehen und damit in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten
übergreifen»

Wir reden hier immerhin über die Aussagen des obersten Richters von Deutschland, der die letzte Instanz ist, die Eigeninteressen von Deutschland gegenüber der immer größer und mächtiger werdenden EU durchzusetzen.

Nun könnte man sagen, dass die alleinige Gewalt doch in den Händen der EU liegen sollte.

Ja, das ist auch eine legitime Ansicht, nur wurden Sie oder ich jemals danach gefragt, ob wir das wollen?

Verbessern Sie mich bitte, wenn ich falsch liege, aber ich glaube, dass es bei dieser Art von EU-weitem obersten Gerichtshof eher zu einer schleichenden Kompetenzaneignung kam seit der Gründung 1952 als die EU noch Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl hieß.

Meine grundsätzlichen Bedenken mögen sich vielleicht für jüngere Leser noch etwas irrational anhören, da ja die EU in den Augen der meisten jüngeren Menschen eine tolle Sache“ sei.

Nur möchte ich einmal kritisch hinterfragen, wie es sein kann, dass ein „Wirtschaftsförderverein“, der zunächst nur den Handel betraf, plötzlich Gesetze verabschiedet, an die sich jeder zu halten hat.

Natürlich hat Europäisches Recht immer Vorrang. Das ist heute ein unumstößlicher Fakt, der auch, das will ich betonen, grundsätzlich wohl sogar richtig sein kann.

Aber, um es mit den weisen Worten von Herrn Voßkuhle zu beschreiben:

«…bei einer schlechterdings nicht mehr nachvollziehbaren und daher objektiv willkürlichen Auslegung der Verträge»

Das wiederum weckt in mir doch etwas Bedenken, denn sollen Gerichte, zumindest die „obersten“, nicht in der Regel „unwillkürlich“ entscheiden?

Naja… Auf jeden Fall ist es spannend, die Geschichte der EU und ihrer Instanzen und wie diese historisch entstanden sind zu ergründen, ein frei von Verschwörungstheorien gestaltetes Informationsportal finden Sie unter http://www.eu-info.de

Jedenfalls sieht das Bundesverfassungsgericht die Anleihekäufe der EZB kritisch.

Vom Europäischen Gerichtshof selbst ist diesbezüglich natürlich keine Rückendeckung möglich.

Es ist im Grunde das Grundsatzurteil für den Euro. 

Würde sich das Bundesverfassungsgericht es so entscheiden und die Bundesbank aus der Pflicht nehmen, wäre das vermutlich, das Anfang vom Ende der Europäischen Gemeinschaftswährung Euro.

Denn es ist unmöglich, dass der Euro als ernsthafte Währung fortexistieren könnte, ohne den Stützpfeiler der Bundesbank.

Um es bildhaft zu erklären: Es geht um das Spiel Deutschland – Italien.

Deutschland hat die mit Abstand größte offene Forderung über 942 Mrd. Euro, während Spanien und Italien die größten Außenstände haben. Quelle: Hans Werner Sinn

1982 kam es schon einmal zum großen Finale und damals siegte Italien!

Heute glaube ich fast, dass Deutschland gegen Spanien und Italien nichts ausrichten kann, zumal auch große Interessen der Wirtschaft damit verbunden sind. Denn das Geld, das Deutschland irgendwann abschreiben müsste, wenn sie sich der Finanzierung der Südstaaten enthalten würden, ist ja eigentlich auch schon längst als „Gewinn“ bei den deutschen Unternehmen verbucht worden.

Auch die Löhne in Deutschland wurden damit schon längst ausbezahlt…

Das verstehen leider auch nur Wenige.

Wenn dieses Kredite ehrlicherweise abgeschrieben würden, um reinen Tisch zu machen, bliebe ein großes Finanzloch übrig.

Ein Loch kann man stopfen, ein zweites auch, ein drittes…

Aber irgendwann, das weiß jeder, der versucht Wasser in einem löcherigen Eimer zu halten und immer wieder nachzufüllen, ist im Eimer nichts mehr da.

Das alles hängt zusammen und das ist der wahre Grund, warum der Goldpreis in Euro steigt.

Euro-Skeptiker liegen mit ihrem Trade +339% vorne

Seitdem sich die EZB für weitere „unlimitierte Anleihenkäufe“ ausspricht, steigt der Goldpreis nach einer mehrjährigen Pause wieder und befindet sich nur noch knapp unter seinem Allzeithoch. Quelle: Finanzen.net

Der Goldpreis kann unter diesen Umständen gar nicht mehr unter stark fallen. Denn selbst wenn die EZB die Peitsche zu spüren bekäme, was fast unmöglich erscheint, wären die Billionen trotzdem unwiederbringlich weg.

Das verstehen selbst die Euro-Kritiker nicht immer.

Denn wer das Ende ohne Schrecken verkaufen will, ist genauso verdächtig wie Politiker, die uns einen Schrecken ohne Ende machen.

Das Urteil zu den Anleihenkäufen (Az.: 2 BvR 859/15 u.a.) soll noch in diesem Jahr verkündet werden.

Goldpreise über 2.000 Euro pro Unze und 50 US-Cent für 1 Euro?

Vor sieben Jahren feierten die EU-rokraten einen Etappensieg, als der ESM (Europäischen-Stabilitäts-Mechanismus) für rechtens erklärt wurde. Damals notierte der Euro bei 1,29 US$.

Würden sich die Eurokritiker durchsetzen, wären vermutlich Goldpreise von 2.000 Euro pro Unze möglich und es würde sogar ein Euro-Ausverkauf von 1,11 unter 0,50 US$ drohen.

Es wäre sozusagen das „Vorspulen“ im Film.

So lange die Politik weitergeführt wird, wie wir das seit 20 Jahren nicht anders kennen, bleibt der Goldpreis in seinem langfristigen Aufwärtstrend und wird die „Unvernunft“ der Geldpolitik gnadenlos und schonungslos offen legen.

Gold ist das Spiegelbild dieses Vorgehens und besitzt einen unumstößlichen Wahrheitswert.

Wenn Sie die „offizielle“ Meinung glauben wollen, dann schauen Sie die Tagesschau, vertrauen Sie den EU-Politikern und verkaufen Sie Ihr Gold zu „Höchstpreisen“.

Wenn Sie Zweifel haben, dann bleiben Sie bei Goldherz dabei und behalten Sie Ihre hoffentlich preiswert erworbenen Goldbestände und denken Sie vielleicht einmal darüber nach, ob es Sinn machen könnte, vielleicht jeden Monat oder von Zeit zu Zeit Gold als Absicherung zu kaufen, solange die EZB so fest im Sattel sitzt und ihre sorglose Minuszins-Politik und Strafaktionen gegen die Kleinsparer weiterführt. 

Bis nächste Woche!

Es grüßt Sie Ihr

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Günther Goldherz,

Chefredakteur Goldherz Report


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